Warum ist Kaffee teurer geworden? Was hinter dem Kaffeepreis steckt
Warum ist Kaffee teurer geworden? Was hinter dem Kaffeepreis steckt
„Warum ist Kaffee eigentlich so teuer geworden?“
Diese Frage kann ich gut verstehen.
Denn Kaffee ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden – und auch wir als kleine Rösterei merken das beim Einkauf unserer Rohkaffees.
Allerdings gibt es nicht den einen Grund für den Kaffeepreis.
Rohkaffee wird international gehandelt, Ernten verändern sich, Angebot und Nachfrage schwanken und auch Transport, Energie, Verpackung und viele weitere Kosten spielen eine Rolle.
Deshalb möchte ich euch einmal zeigen, was eigentlich alles hinter dem Preis eines Kilos Kaffee steckt.
DER ROHKAFFEEPREIS SCHWANKT
Kaffee wird weltweit gehandelt und die Preise können sich deutlich verändern.
Dabei gibt es auch nicht einfach „den einen Kaffeepreis“.
Herkunft, Qualität, Aufbereitung, Ernte, Verfügbarkeit sowie Angebot und Nachfrage beeinflussen, was ein bestimmter Rohkaffee kostet.
Auch die internationalen Kaffeemärkte und Börsen spielen eine Rolle.
Das bedeutet:
Ein Brasil, den ich heute einkaufe, kann bei der nächsten Bestellung einen anderen Preis haben.
Und ein besonderer Kaffee aus einem bestimmten Anbaugebiet kann sich wiederum ganz anders entwickeln.
ERNTEN UND WETTER BEEINFLUSSEN DIE VERFÜGBARKEIT
Kaffee ist ein landwirtschaftliches Produkt.
Was in Brasilien, Colombia, Honduras, Ethiopia oder anderen Ursprungsländern passiert, kann sich deshalb auf die Verfügbarkeit und die Preise auswirken.
Trockenheit, zu viel Regen, ungünstige Temperaturen oder andere Wetterereignisse können Ernten beeinflussen.
Hinzu kommen langfristige Veränderungen der klimatischen Bedingungen in den Anbauregionen.
Wie groß der Einfluss tatsächlich ist, unterscheidet sich allerdings von Land zu Land und von Ernte zu Ernte.
AUCH TRANSPORT UND HANDEL GEHÖREN DAZU
Unsere Kaffeebohnen wachsen nicht in Jülich oder im Selfkant.
Rohkaffee legt einen langen Weg zurück, bevor er bei uns in der Rösterei ankommt.
Transport, Logistik, Lagerung, Finanzierung und Handel gehören deshalb ebenfalls zur Preiskette.
Auch Wechselkurse können den Einkauf beeinflussen, da Kaffee international häufig in US-Dollar gehandelt wird.
Und erst wenn der Rohkaffee bei uns angekommen ist, beginnt unsere eigentliche Arbeit.
IN DEUTSCHLAND KOMMT DIE KAFFEESTEUER DAZU
Ein Punkt wird beim Kaffeepreis gerne vergessen:
In Deutschland gibt es eine eigene Kaffeesteuer.
Auf Röstkaffee fallen derzeit 2,19 Euro Kaffeesteuer pro Kilogramm an.
Das bedeutet:
Noch bevor wir über Verpackung, Laden, Rösterei, Personal oder unseren eigenen Verdienst sprechen, ist diese Steuer bereits Bestandteil der Kalkulation.
WAS PASSIERT BEI UNS MIT DEM ROHKAFFEE?
Wir kaufen Rohkaffee ein.
Aber verkaufen können wir ihn natürlich noch nicht.
Bei uns wird daraus erst der Kaffee, den ihr kennt.
Wir rösten.
Wir kontrollieren und verkosten.
Wir verpacken.
Wir etikettieren.
Und natürlich gehören zu einer Rösterei auch Röstmaschine, Energie, Räume, Personal, Verpackungen und viele andere laufende Kosten.
Ein handwerklich gerösteter Kaffee besteht deshalb preislich nicht nur aus dem Rohkaffee in der Tüte.
WAS KOSTET EINE TASSE KAFFEE BEI UNS?
Und jetzt kommt eine Rechnung, die ich immer wieder interessant finde.
Nehmen wir einen Kilopreis von 33,90 Euro und für eine Tasse Filterkaffee ungefähr 10 bis 12 Gramm Kaffee.
Rechnen wir mit durchschnittlich 11 Gramm:
Aus einem Kilogramm Kaffee entstehen ungefähr 91 Tassen.
33,90 Euro geteilt durch 91 ergibt:
rund 0,37 Euro Kaffee pro Tasse.
Natürlich kommen zuhause noch Wasser und Energie hinzu.
Aber der reine Kaffeeanteil einer frisch aufgebrühten Tasse liegt bei dieser Rechnung bei ungefähr 37 Cent.
IST KAFFEE DESHALB EIN LUXUSARTIKEL?
Im alten Artikel habe ich Kaffee ganz bewusst als „Luxusartikel“ bezeichnet.
Heute würde ich es etwas anders formulieren.
Für mich ist guter Kaffee vor allem ein wertvolles Genussmittel.
Denn hinter einer Tasse steht eine erstaunlich lange Kette:
Anbau → Ernte → Aufbereitung → Export → Import → Rohkaffeehandel → Röstung → Verpackung → Zubereitung.
Und am Ende stehen wir morgens in der Küche, drücken einen Knopf oder nehmen unseren Handfilter – und nach wenigen Minuten ist die Tasse leer.
Wenn man weiß, was vorher alles passiert ist, bekommt Kaffee für mich automatisch einen anderen Wert.
TEURER KAFFEE IST NICHT AUTOMATISCH BESSERER KAFFEE
Auch das gehört für mich zur Ehrlichkeit.
Nur weil ein Kaffee teuer ist, muss er dir nicht automatisch besser schmecken.
Ein besonderer Länderkaffee kann aufgrund seiner Herkunft, Qualität oder Verfügbarkeit mehr kosten.
Trotzdem kann dein persönlicher Lieblingskaffee ein ganz anderer sein.
Deshalb bleibt unser roter Faden auch beim Thema Preis derselbe:
Am Ende muss der Kaffee zu deinem Geschmack und deiner Zubereitung passen.
Ein Preis kann uns etwas über Kosten, Qualität oder Verfügbarkeit erzählen.
Er kann uns aber nicht sagen, welcher Kaffee dir am besten schmeckt.
UND WAS HAT LUPIINA DAMIT ZU TUN?
Lupiina möchte ich an dieser Stelle nicht als „bessere“ oder „nachhaltigere“ Alternative zum Kaffee darstellen.
Es ist schlicht etwas anderes.
Kaffee wächst in den entsprechenden Anbauregionen rund um den Äquator.
Unsere Lupinen für Lupiina kommen aus Deutschland.
Beides wird von uns geröstet – und beides entwickelt dabei seinen eigenen Geschmack.
Für mich dürfen deshalb Kaffee aus der Welt und Lupine aus der Region ganz selbstverständlich nebeneinanderstehen.
MEIN FAZIT: WISSEN, WAS HINTER DER TASSE STECKT
Kaffeepreise werden sich auch in Zukunft verändern.
Rohkaffee ist ein landwirtschaftliches Produkt und wird international gehandelt. Ernten, Verfügbarkeit, Nachfrage, Märkte, Logistik und viele weitere Faktoren beeinflussen seinen Preis.
Als kleine Rösterei können wir diese Entwicklungen nicht bestimmen.
Was wir aber können:
bewusst einkaufen, sauber kalkulieren, handwerklich rösten und euch erklären, was hinter unserem Kaffee steckt.
Und dann kommt der schönste Teil:
aufbrühen, probieren und herausfinden, welcher Kaffee euch schmeckt.
Eure Tina